Er hatte sich schon den ganzen Tag nicht so richtig wohlgefühlt. Dennoch erledigte er seine Arbeit. Doch dann, in der Frühstückspause, musste er nach Luft schnappen. Danach kam der Herzinfarkt. Vorfälle wie dieser, der sich im Juni im Glauchauer Sommerbad abgespielt hat, können täglich passieren, manchmal sogar aus heiterem Himmel. René Sprenger, der den Herzinfarkt erlitt, hatte Glück, ihm wurde schnell geholfen, weil Leute in der Nähe waren. Letzte Woche bedankte er sich bei seinen Rettern.
Jede Sekunde kann entscheidend sein
„Ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand kann jeden treffen – jederzeit und überall: beim Einkaufen, auf dem Sportplatz, am Arbeitsplatz oder im eigenen Zuhause“, sagt Jens Leistner, Geschäftsführer des Rettungszweckverbandes Südwestsachsen. In diesen entscheidenden Minuten zähle jede Sekunde. Bereits nach wenigen Minuten ohne Wiederbelebung würden die Überlebenschancen drastisch sinken. Deshalb habe der Rettungszweckverband, der den Landkreis Zwickau und das Vogtland umfasst, das Ersthelfer-Netzwerk aufgebaut. Mehr als 1000 Leute sind mittlerweile in der Ersthelfer-App des Zweckverbandes registriert. Sie helfen in Notfällen bis der Rettungsdienst eintrifft.
Ersthelfer: Courage reicht schon aus
Einer dieser registrierten Ersthelfer ist der Glauchauer Florian Günther, Notfallsanitäter und Inhaber von Flo-Medic, einer Ausbildungseinrichtung für Notfallmedizin und Erste Hilfe. „Um Ersthelfer zu werden, braucht man keine medizinische Ausbildung“, sagt Günther. Courage reiche da schon aus, denn es gehe für die registrierten Ersthelfer lediglich darum, in Notfällen Wiederbelebungsmaßnahmen durchzuführen bis der Rettungsdienst vor Ort ist. Und einen Erste-Hilfe-Kurs hat jeder absolviert, der einen Führerschein hat.
Wie die App funktioniert
Die Funktionsweise der App mit dem Namen „First Responder“ sei recht einfach. In der App werde registriert, wo sich der Ersthelfer aktuell aufhält. Kommt es zu einem Notfall in der Nähe, werde über die App der Ersthelfer informiert.

Für die Ersthelfer stehen vor allem Wiederbelebungsmaßnahmen an, die in jeder Este-Hilfe-Schulung Thema sind. Foto: Andreas Kretschel
Dabei könne er selbst entscheiden, ob er der Notfall übernimmt oder nicht. „Der Ersthelfer ist in jedem Fall rechtlich abgesichert“, sagt Florian Günther. Sagt der Angefragte zu, navigiere ihn die App direkt zum Notfallort. Gibt es in der Nähe einen öffentlich zugänglichen Defibrillator (AED), zeige die App automatisch dessen Standort an – inklusive Wegbeschreibung.
Appell des Experten
Florian Günther ist, seitdem im letzten Jahr die App an den Start ging, als registrierter Ersthelfer dabei. In dieser Funktion sei er aber erst einmal alarmiert worden. „Dennoch plädiere ich dafür, dass sich jeder überlegen sollte, als Ersthelfer mitzumachen“, sagt er. Denn 1000 Ersthelfer in der App seien für das riesige Gebiet des Vogtlandkreises und Westsachsens viel zu wenig. „Leben retten kann im Grunde genommen jeder“, sagt Günther.
Rettungsschule erweitert Engagement
Deshalb zeige er in seiner Schule „Flo Medic“ neben lebensrettenden Maßnahmen auch, wie der Defibrillator gehandhabt wird. „Ein Defibrillator allein rettet kein Leben. Entscheidend ist, dass Menschen den Mut haben zu helfen und wissen, wie sie handeln müssen. Technik und Ausbildung gehören daher zusammen“, so Günther. Es gehe darum, für potenzielle Ersthelfer die Hemmschwellen zu reduzieren.

Am Eingang zum Glauchauer Ratshof befindet sich ein öffentich zugänglicher Defibrillator.Foto: Stefan Stolp
Günther habe mit seinem Unternehmen das Engagement in der Notfallversorgung erweitert, um die Rettungskette vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes zu stärken. Was mit klassischen Erste-Hilfe-Kursen begann, hat er im vergangenen Jahr kontinuierlich weiterentwickelt. Heute gehören neben Erste-Hilfe-Ausbildungen auch Kindernotfalltrainings, medizinische Notfalltrainings für Arztpraxen und Pflegeeinrichtungen und praxisnahe Team-Events mit Fokus auf Notfallkompetenz zum Angebot. Ziel sei es, Handlungssicherheit zu vermitteln und Berührungsängste im Umgang mit Notfällen abzubauen. (sto)