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Retter, Verletzte, eine entgleiste Tram: So läuft eine Großübung im Vogtland

Medienberichte 4 Minuten Lesezeit

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180 Einsatzkräfte üben das Retten und Bergen von Menschen aus Straßenbahn und Auto. Trainiert werden Abläufe, Triage und Teamarbeit in einer Stresssituation. 

Foto: Ellen Liebner

Eigentlich hätte Annett Prang an diesem Samstagvormittag in Ruhe den Wocheneinkauf erledigen und dann ihr Haus putzen wollen. Aber am Freitagabend wird die Adorferin spontan von ihrem Nachbarn, einem Rettungssanitäter, gefragt, ob sie nicht als Unfallopfer einspringen mag. „Ich habe Ja gesagt, weil ich Hochachtung vor dem Job aller Rettungskräfte habe und weiß, was mein Nachbar so leistet.“ Am Samstag kurz vor 6 Uhr morgens lässt sich Annett vom realistischen Notfalldarstellungsteam eine Wunde ins Gesicht schminken. Dort erfährt sie auch, welche Rolle sie zu spielen hat. Sie ist eine von 15 Passagieren einer Straßenbahn. Als es Rums macht, ein Mitsubishi in die Tram rauscht und die dann vom Gleis abkommt, wird sie schwer verletzt. Immerhin: Die Passagierin überlebt. Für einen Fußgänger, der unter die Bahn gerät, kommt jede Hilfe zu spät.

Katastrophen-Übung dreiviertel Jahr vorbereitet

Ein dreiviertel Jahr haben Dr. Bernd Krämer, Ärztlicher Leiter beim Rettungszweckverband Südwestsachsen, und sein Team die Großübung vorbereitet. Als Partner hat die Plauener Straßenbahn zugesagt. Am Samstagvormittag dreht sich alles um die Passagiere der verunglückten Tram auf dem Straßenbahn-Betriebsgelände an der Wiesenstraße. Und um die vier Frauen im dunkelblauen Mitsubishi, den die Feuerwehrkameraden von einem Schrottplatz geholt haben. Jetzt hängt der Wagen quer vor der Tram, deren Kupplung in den Pkw gerammt. Hier gehe es um Abläufe, schnelles Handeln, Teamwork, sagt Oliver Schmidt vom Orga-Team des Rettungszweckverbandes. „Das hier ist eine Stresssituation und es gilt, einen kühlen Kopf zu bewahren.“ Im Ernstfall weiß jeder, was er zu tun hat. Am Start sind Kameradinnen und Kameraden von der Berufsfeuerwehr Plauen, von den freiwilligen Wehren Stadt-Mitte und Straßberg-Neundorf, Notfallsanitäter und Ärzte, Einsatzzüge vom Katastrophenschutz und Helfer vom Kriseninterventionsteam.

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Diesem Tram-Passagier wurde die Hand abgetrennt: Das Schmink-Team hat die Verletzung täuschend echt nachgestellt. 

Foto: Ellen Liebner

Triage bei 20 Verletzten: Rot oder weiß?

20 Menschen verletzt. Wer wird zuerst gerettet? Wer hat Vorrang? Das Notfallteam, das zuerst am Unfallort eintrifft, sondiert die Lage. Alle verletzten Fahrgäste werden gecheckt. Dabei gilt: „Wer am lautesten schreit, muss nicht am schwersten verletzt sein.“ Die verletzten Personen werden je nach Schwere mit Farb-Klebern gekennzeichnet. Rot steht für Schwerverletzte, Weiß für die leichteren Fälle. Rot gibt es für einen jungen Mann, dem die Hand abgetrennt wurde. Ein Fahrgast mit Schnitt- und Schürfwunde bekommt Weiß. Auch der Mann mit dem gebrochenen Bein schwebt nicht in Lebensgefahr.

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Annett Prang aus Adorf springt spontan als Unfallopfer ein. Wegen Krankheit haben etliche Freiwillige ihre Teilnahme absagen müssen. 

Foto: Ellen Liebner

Kopf bewahren in der Krise

Torsten Schädlich von der Wehr Straßberg-Neundorf und seine Kameraden stehen bereit, um die Leichtverletzten per Trage aus der Tram zu transportieren. An einem Sammelplatz werden die Verletzten nach Triage versorgt. Manuela vom Kriseninterventionsteam steht dem Mann bei, der seine Hand verlor. Hier sitzt auch Annett Prang, Kopf und Augen bandagiert. Sie habe Splitter ins Auge bekommen, sei auch leicht verwirrt, schätzt der Sanitäter ein.

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Dr. Bernd Krämer, Ärztlicher Leiter beim Rettungsdienst, ist der Cheforganisator der Großübung. 
Foto: Ellen Liebner

Simulierte Bauchschmerzen fühlen sich echt an

Drei der vier Frauen aus dem Mitsubishi befinden sich in Lebensgefahr. Die Zeit drängt, die Eingeklemmten aus dem Auto zu holen. Der Rettungsspreizer muss ran. Überall auf dem Boden liegt Glas. „Es war mal interessant zu sehen, wie so ein Auto aufgeschnitten wird“, sagt Madeline Lupart, welche die Rolle der verletzten Beifahrerin spielt. Wenn man Bauchschmerzen simulieren muss, fühle sich das in echt gleich schlecht an, sagt Madeline. Zwischen Patienten mit offener Oberschenkelfraktur, Kopfverletzung und Schädelhirntrauma bewegt sich Christina Wolf: 26 und angehende Notfallsanitäterin aus Adorf. Das, was sie da macht, sei ihr Traumberuf.

Eingebunden in die Übung ist auch das Klinikum Obergöltzsch in Rodewisch. Auch dort trainieren Notarzt-Teams was zu tun ist, wenn der Notruf „Massenanfall an Verletzten“ eingeht. (cze)

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